rt-go: 07.09.2008

Budapest

 

Auf nach Budapest

Sonntag, 07.09.2008

Auf dem Weg vom Balaton nach Budapest
haben wir die Rollen getauscht.
Wir fahren mit dem Auto auf der Straße (76)
und die Radler auf dem parallelen Radweg.

Unterwegs passieren wir noch etliche
typisch ungarische Ortschaften.

Irgendwie gleichen sich aber alle,
egal ob die Strommasten rechts oder links stehen.

Aber dann nähern wir uns dem Ziel Budapest,
das hier noch einen sehr aufgeräumten
und einladenden Eindruck macht.

Später habe ich der Stadt aus gutem Grund
den Namen “Buddelpest” gegeben.

Budapest hat in Nord-Süd-Richtung etwa 25 km Ausdehnung.
Unser Hotel lag etwa 10 km nördlich vom Zentrum.
Also noch im Stadtgebiet, aber doch schon am Rand.

Um von unserem Hotel zum Donau-Radweg (violett) zu kommen,
mussten wir erst einmal knapp 3 Km (gelbgrün) strampeln.
Denn Hauptstraßen und insbesondere Bahngleise
kann man nicht überall überqueren.
Das war aber kein Problem und auch kein großer Umweg.

 

Budapest <-> Szentendre

~ 33 km  ~71 Hm

Die Route kann man als
Budapest-Szentendre.gpx
+
Budapest-Szentendre.kml
herunter laden
und außerdem bei

betrachten.

Weil für diesen Sonntag noch schönes Wetter angesagt war,
nutzten wir das für eine Tour an der Donau entlang nach Szentendre.

Der Radweg macht einen brauchbaren Eindruck.

Auch wenn er stellenweise beschädigt ist.

Dann führt er sogar breit asphaltiert
und mit Beleuchtung auf dem Damm entlang.

Die Stadtgrenze ist erreicht.

Platz da! Wir kommen.

Hier entdecken wir ein sehr neues Schild,
Das besagt, dass wir uns nun auf der
EuroVelo Route 6” befinden.

Boh, äh!

Da muss ich doch mal offizielle Infos zitieren:

EuroVelo Route 6  “Atlantic - Schwarzes Meer”

Auf 2.400 Kilometern verbindet die “EuroVelo Route 6” Nantes an der französischen Atlantikküste mit Budapest an der Donau und führt später weiter bis ans Schwarze Meer.

Quelle:
Deutsches Institut für Urbanistik GmbH
- Im Auftrag des BMVBS

Und an anderer Stelle kann man lesen:

Die Radrouten sind für jeden Radlertyp geeignet - für
sportlich Ambitionierte genauso wie für Familien mit Kindern.

Quelle:
EuroVelo 6

So viel vom offiziellen Blabla mag genügen.

Und nun die Realität.

Hier geht's zwar etwas schmal, aber sehr idyllisch durch den Wald.

Hier kann man sehr schön sehen, dass das Schild ganz neu ist.

Der Weg dagegen scheint schon etwas länger in Gebrauch zu sein.

Wir sind nicht etwa auf Abwege geraten,
sondern befinden uns immer noch auf der
EuroVelo Route 6
und sammeln tiefgründige Erfahrungen.

Nun wird's erst richtig idyllisch.
Leider konnte ich es nicht im Bild fest halten.
Im finstersten Waldstück führt der Weg
 mit bis zu 25 Grad seitlicher Neigung und
ganz groben Spurrillen durch.

Da hatten sogar die “Uprights” zu kämpfen,
um auf dem Rad zu bleiben,
oder sind freiwillig abgestiegen.

Abgekämpft. Aber wir sind durch.
Und die Schilder beweisen wieder zweifelsfrei,
dass wir völlig richtig gefahren sind.

In Szentendre sieht es dann wieder ordentlich aus.

Google Maps zeigt hier den alten Stadtkern,
den wir mit unserem Lindwurm erobert haben.

Der Marktplatz kommt näher.

Auf dem Marktplatz.

Ein wenig beachtetes künstlerisches Angebot.

Eine Seitenstraße.

Die Kirche auf dem kleinen zentralen Hügel.

Schon beim Eintritt hat mir die Dame mit der roten Jacke
ein selbst gemaltes Pappschildchen mit der Aufschrift:
“Foto = 100 Forint” entgegen gehalten.
Ob sie dazu offiziell berufen war,
oder in Eigeninitiative die Touristen erleichtert hat,
entzieht sich meiner Kenntnis.

Ich habe ihr die umgerechnet 43 Eurocent gegeben
und sie war zufrieden.

Wann kann man schon mal einen Menschen
für so wenig Geld zufrieden stellen?

Vom Kirchplatz aus kann man unter anderem noch zwei weitere Kirchen sehen. Das ist nicht verwunderlich, denn Szentendre ist ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, die sich dort auf der Flucht vor den Türken (ist aber schon eine Weile her) zusammen gefunden haben.

Den Besuch der anderen Kirchen haben wir uns,
bevor das ins Geld geht, erspart.

Das haben wir dann doch lieber
in lebenserhaltende Maßnahmen investiert.

Unser Gefährt habe ich mitten auf dem Weg abgestellt.
So konnte jeder nach Belieben links oder rechts vorbei.

Nur als die Polizei ausgerechnet da durch wollte,
habe ich es zwei Meter vor rollen lassen.

Die Polizisten haben es mit dankbarer Geste kommentiert.

Nochmals der Marktplatz.

O tempora, o mores.

Der Kutscher, den ich hier nur teilweise erwischt habe,
ist ein “alter Bekannter”.

Im September 2000 habe ich seine Dienste in Anspruch genommen.
Für 10 DM hat er drei Leute rund zwei Stunden lang
durch Szentendre gefahren
und alles ausführlich (auf Deutsch) erklärt.

Im September 2003 habe ich ihn nach dem Preis gefragt.
Da wollte er 20 Euro. Er hatte wohl 2 zu 1 umgestellt.

Allerdings galt sein neuer Preis pro Person.
Und die Rundfahrt sollte etwa eine Stunde dauern.
Die Erklärungen (auf Deutsch) wären aber gratis gewesen.

Offenbar hatte er inzwischen gelernt,
dass man durch Arbeit nicht reich werden kann.

Ich habe ihn jetzt vorsichtshalber nicht gefragt,
was ein Foto kostet.

Der Rückweg beginnt wieder sehr schön.

Er ist auch ganz eindeutig beschildert.
Da kann es gar keine Zweifel geben.

Trotzdem haben mich diese Radler nach dem Weg gefragt
und dann gewartet, bis sie sahen,
dass wir tatsächlich auch diesen Weg benutzen.

So misstrauisch können Radler sein.

Am Stadtrand wird's wieder gemütlich und gepflegt.

Das verleitet uns zu einem Abstecher ans Donauufer.

Schön ist es hier.

Und Schiffsverkehr gibt es auch zu sehen.
Vom Kanu ...

... bis zum Tragflächenboot.

Das bleibt mir natürlich nicht erspart,
ist aber auch keine große Mühe
und fast schon Routine.

 

Burgberg, Fußgängerzone und Markthalle

Montag, 08.09.2008

Vor unserer Abreise hatte ich zuhause aus dem Internet
 die 16-tägige Wetterprognose abgerufen.
Die hatte für alle besuchten Orte
schönes Wetter vorher gesagt und Recht behalten.

Für Sonntag Abend bis Montag Morgen
hatte sie für Budapest Gewitter und Regen angekündigt.
Und sie hat auch damit Recht behalten.

In der Nacht hatte es heftig geblitzt, gedonnert und geregnet.
Und am Morgen begrüßte uns das,
was man üblicherweise als Starkregen bezeichnet.

Nach dem Frühstück hat es dann zwar etwas nachgelassen,
aber an eine Radtour war (zum Glück) gar nicht zu denken.

Wir sind also mit dem Auto auf den Burgberg gefahren
und (der frühe Vogel fängt den Wurm)
hatten kein Problem, einen Parkplatz zu finden.

Gut, dass ich Sandalen und keine Socken trug.
Da konnte das Wasser gut ab laufen.

Die Matthiaskirche ist verhüllt.

Die Fischerbastei ist nur parterre begehbar.
Sonst darf man gegen Bares die Treppe hoch,
um dann die Aussicht drei Meter höher zu genießen.
Das blieb uns erspart.

Überall stehen stolze Magyaren zu Pferde herum.

Asiatische Touristen trifft man immer in Scharen.

Ausblick auf das Burgviertel.

Auch die Römer waren schon hier.
Aber wie die den Kram zurück gelassen haben!?

Eine Seilbahn ...

... verkehrt zwischen Burgberg und Donauufer.

Der Blick auf die Kettenbrücke ...

... und den Stadtteil Pest ...

... ist vermutlich das häufigste Motiv von Budapest.

In der Váci utca, der Fußgängerzone.

Die Markthalle von außen ...

... und von innen.

Wohin man sieht,
“Knuddelkitt”.

Ein beeindruckendes Gebäude.

Draußen wird gebuddelt.

Wohin man auch sieht. Es wird gebuddelt.
So ist “Buddelpest”.

Und die übrigen Straßen sind dicht.

Da kann es niemanden wundern,
dass man ständig aggressive Fahrer erlebt.
Und manche fahren wie gesengte Säue.

Gut, dass wir gar nicht in Versuchung kamen,
hier mit dem Rad zu fahren.
 

 

Budapest <-> Hajogyari-sziget

Nach dem erbaulichen Vormittag im Zentrum,
wollten wir das inzwischen wieder schöne Wetter
für eine weitere kleine Tour an der Donau nutzen.

Und weil wir ja rund 10 km vom Zentrum entfernt waren,
wollten wir diesmal in Richtung Süden fahren.

Um an die Donau zu kommen,
mussten wir auf der Straße, in der unser Hotel lag,
erst mal wieder in Richtung Norden fahren.

Dann an den Gleisen entlang.

Bis zur nächsten Kreuzung mit der S-Bahn-Trasse.

Und durch eine lange Seitenstraße ...

... kommt man schließlich an den Donau-Radweg.

Der ausgiebige Regen der Nacht und des Vormittags
hat seine Spuren hinterlassen und bremst das Tempo.

Die Umgebung sieht nicht sehr einladend aus.

Richtig ungemütlich wird's aber erst durch die Baustellen.
Auch hier ist “Buddelpest”.

Und Pfützenpiste.

Da kann auch ein kurzes schönes Stück nicht wirklich versöhnen.

Der Wegweiser zur Insel lockt uns jedenfalls unwiderstehlich.

Die Reste der Straßenbahnschienen lassen vermuten,
dass hier schon mal mehr Verkehr stattgefunden hat.

Auch hier dürfen wir wieder langsam von Pfütze zu Pfütze reiten.

Auf der Insel finden wir nur sehr viel Platz vor.

Von der Volksfest-Bebauung,
die Google Maps immer noch zeigt, ...

... können wir nichts sehen.

Ein nicht ganz normgerechtes Verkehrszeichen ...

... und die Reste einer Bude, sind alles,
was davon für uns sichtbar geblieben ist.

Auf dem Rückweg wollen wir auf “die Buddelpest” verzichten
und wählen einen etwas anderen Weg.

Der bietet zwar einige Überraschungen.

Er bereitet aber keine unüberwindlichen Probleme.

Auf der Donau ist wieder reger Betrieb.
Dort müssen täglich zahllose Paddler unterwegs sein.

Allerdings schafft es nicht jeder einfach so.

Auch unsere Tour wird immer wieder unterbrochen, 
wenn wir dringend eine Erfrischung brauchen.

Auf die können wir allerdings verzichten.
Danke, wir duschen im Hotel.

Fazit

Ein Mal war's ok.
Noch ein Mal muss nicht sein.

Es gibt sicher lohnendere Ziele für Radler.
Wir sind schon am Suchen.

 

 

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