rt-go: 27.08.2002

Leseprobe für Große

Der Mensch

(homo sapiens)
Artgerechte Haltung, Aufzucht und Pflege

Ein Sachbuch für Interessierte

von Stephan Kalk
Alzey 1999

Leseprobe: Vorwort

Wer sich in seinem Bekanntenkreise umsieht, dem fällt auf, dass sich immer mehr Zeitgenossen der Pflege eines - oft exotischen - Tieres widmen. Oft werden auch mehrere Exemplare ein und derselben Art (oder auch verschiedener Arten) gesellig beieinander gehalten. Wem Raum- und zeitliche Möglichkeiten dafür zur Verfügung stehen, der lässt seine Lieblinge mitunter sogar zur Zucht schreiten. Hunde, Katzen, Fische und Vögel gelten mittlerweile nicht nur als Indikator für die Naturliebe ihrer Halter, sondern werden oft als völlig normale Mitbewohner angesehen. Der berechtigten Sorge um ihre richtige Behandlungsweise wiederum verleihen unzählige Buchauflagen Ausdruck.

Ohne die Freude an der Tierhaltung auch nur im geringsten schmälern zu wollen, ist allerdings zu bemerken, dass - gerade in den letzten Jahren - die Menschenhaltung in der Bevölkerung stetig abzunehmen scheint. Immer öfter leisten sich die in statistischer Anzahl immer häufiger vorkommenden Single-Haushalte eher die Haltung eines Haustieres als die eines Menschen - oder gar Mitmenschen.

Selbstverständlich sind die Hominiden bei der Haltung im eigenen häuslichen Bereich etwas unbequemer und auch aufwendiger als z.B. Hamster oder Meerschwein, weshalb man sie immer öfter in dem Laien dafür geeignet erscheinenden Gemeinschaftsheimstätten unterbringt. Derlei Einrichtungen gibt es für jedes Entwicklungsstadium und Lebensalter der Hominiden, sie reichen vom Kindergarten, der Kinderkrippe und Kindertagesstätte über die (noch nicht überall flächendeckend eingeführte aber stark im Aufwind befindliche) Ganztagsschule bis hin zu Heimen für unter besonderen Gesichtspunkten zusammengefasste Exemplare wie z.B. Kinder- Jugend- und Schwererziehbarenheime aber auch Kranken- und Frauenhäuser sowie Altersheime, Verwahranstalten für Behinderte und Gefängnisse.

Dass die Gemeinschaftshaltung der Hominiden (wie sie z.B. in den früheren Eltern-und-Kinder-Familien oder gar Mehrgenerationen-Haushalten anzutreffen war) einen so überaus starken Schwund erleidet, liegt aber möglicherweise nicht nur an dem größeren Aufwand, den ihre Haltung im eigenen Zuhause verursacht, sondern auch an einem mangelndem Wissens- und Kenntnisstand über die an die Erfordernisse einer modernen Welt angepassten Bedürfnisse dieser possierlichen Gesellen.

Bei der Durchsicht des vorhandenen Literaturmateriales zum Thema ergab sich allerdings die überraschende Tatsache, dass es bisher an einem übersichtlichen Leitfaden zur Menschenhaltung fehlte. Dies ist um so erstaunlicher, als die häusliche Haltung und Pflege von Menschen mit Sicherheit zu den ältesten Formen menschlicher Geselligkeit überhaupt gezählt werden kann. Wohl finden sich die verschiedensten Hinweise zum Thema weitverstreut über ein kaum noch überschaubares Buch- und Zeitschriftenangebot. Wer sich allerdings mit den Grundlagen der Menschenhaltung vertraut machen wollte, suchte bisher vergeblich nach einer handlichen und doch fundierten Einleitung und Übersicht. Diese Lücke soll das vorliegende Büchlein füllen.

Selbstverständlich ist sich der Verfasser der eigenen Unzulänglichkeiten bei der Behandlung dieser anspruchsvollen Thematik wohl bewusst. Dennoch sollte hier zum ersten Male der Versuch unternommen werden, die artgerechten Haltungs- und Erziehungsbedingungen eines so freundlichen und umgänglichen Lebensabschnittbegleiters - wie es auch der homo sapiens bei richtiger Behandlung und Pflege zu sein vermag - zu umschreiben. Sollte dieses bescheidene Bändchen dazu beitragen können, dass sich der (oder die) eine oder andere Zeitgenosse/in fortan der liebevollen Pflege eines oder mehrerer Menschen im eigenen Haushalt zuwenden und widmen mag, dann hat es seinen Zweck erfüllt.

Leseprobe: Einleitung

Menschen gehören - abgesehen von Ratten, Spinnen und Insekten - heute zu den am meisten verbreiteten Tieren überhaupt. Nicht nur ihre erstaunliche Robustheit, sondern vor allem ihr geradezu überraschender Erfindungsreichtum hat sie nahezu alle zugänglichen und unzugänglichen Teile und Winkel des Planeten Erde in Besitz nehmen lassen. Gelegentlich glückten (wie auch einigen Viren) vereinzelten Exemplaren sogar Ausflüge in den benachbarten Weltraum, wobei sie allerdings (anders als die Viren) auf die Mitnahme großer Mengen irdischen Materials angewiesen waren. Ähnlich wie Blattschneiderameisen und Biber leben Menschen nicht gerne in fertig vorgefundenen Biotopen, sondern geben verstärkt ihrer Neigung Ausdruck, sich ihren Lebensraum selbst zu gestalten, wobei sie oft das Bedürfnis nach heimeliger Gemütlichkeit (manchmal aber auch einen leichten Hang zum Kitsch) erkennen lassen. (Auf dem Mond z.B. haben sie ein Fähnchen aufgestellt.)

Einzelne Exemplare sind in der Regel durchaus umgänglich bis freundlich und lassen sich auch nach längerer Einzelhaltung normalerweise noch recht einfach aneinander gewöhnen und oft sogar verpaaren. In Gruppen gehaltene Menschen hingegen neigen zu starker Revierbildung und zum Futterneid. Bei der Vergesellschaftung verschiedener Menschengruppen (beispielsweise der Anhänger zweier verschiedener Fußballvereine) ist daher erhöhte Vorsicht geboten. Keinesfalls darf man solche Gruppen einfach zusammensetzen und dann unbeaufsichtigt sich selbst überlassen.

Im Verlauf der mehrtausendjährigen Menschheitsgeschichte kam es bedauerlicherweise aufgrund konstanter Verletzung der Aufsichtspflicht durch höhergeordnete Lebewesen (Religionswissenschaftler sprechen hier von der Abwesenheit Gottes) bis in die jüngste Vergangenheit hinein immer wieder zu tragischen Unfällen von erschreckenden Ausmaßen mit starken Verlusten durch Selbstdezimierung. Da Homo sapiens (wie der ihm von sich selbst verliehene Name schon andeutet) bedauerlicherweise nur noch über rudimentäre Instinkte, dafür aber über eine unangemessen große Selbsteinschätzung der eigenen cerebralen Fähigkeiten verfügt, steht ihm leider keine angeborene Tötungshemmung gegenüber seinen eigenen Artgenossen mehr zur Verfügung. Hier (wie auch bei der Gestaltung des von ihm beanspruchten Lebensraumes) sind seine Halter und Mitlebewesen darum immer wieder stark gefordert, wenn es darum geht, Revier-, Rassen- und Glaubens- sowie andere Streitigkeiten schon im Keime zu ersticken, um zu vermeiden, dass diese interessante aber nicht unproblematische Art sich nicht irgendwann selbst auslöscht.

Was nun die verantwortungsvolle Menschenhaltung im eigenen Heim anbelangt, so sei allerdings schon jetzt darauf hingewiesen, dass es sich hier keineswegs um eine belanglose Liebhaberei handelt, die man als Hobby sozusagen nach Feierabend und nebenbei betreiben kann. Wer sich also tatsächlich mit dem Gedanken trägt, sein Leben durch die Gesellschaft von Menschen zu bereichern, der mache sich also auf mancherlei Mühseligkeiten und Anstrengungen gefasst. Zum Trost sei allerdings darauf verwiesen, dass es - vielleicht abgesehen von den afrikanischen Schimpansen und Bonobos (die immerhin über 98% ihrer Gene mit Homo sapiens gemeinsam haben - letztere sogar über 99%!) - keine anderen sich selbst als so intelligent einstufenden, abwechslungsreichen und interessanten Lebewesen gibt, wie - die Menschen.

Leseprobe: Die richtige Ausstattung des Lebensraumes

Durch die stetig fortschreitende Zerstörung auch der letzten Naturreservate der Welt sind selbst die letzten wildlebenden Exemplare mittlerweile immer mehr durch die sogenannten Segnungen der modernen Kultur aus ihrem ursprünglich einfachen und genügsamen Dasein gerissen worden. Die heute am weitesten verbreitete Form des domestizierten Menschen hingegen hat sich mehrheitlich schon so sehr von ihren ursprünglichen natürlichen Grundlagen entfremdet, dass sich die meisten Exemplare wohl nur sehr schwer und dann wahrscheinlich auch nur für einen sehr begrenzten Zeitraum in einer naturnahen und rauen Umgebung erhalten könnten. Dies zeigt sich bedauerlicherweise auch am Beispiel der unzähligen aus heimischen Lagerstätten ausgestoßenen oder geflüchteten und schließlich halb ausgewilderten Exemplaren, welche oft in unmittelbarer Umgebung geschlossener Menschenansammlungen großer Städte anzutreffen sind. Jahr für Jahr sterben unzählige dieser meist einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen lebenden Menschen den Hunger- oder Kältetod.

Dabei lassen sich die für das menschenwürdige Dasein eines Exemplars unentbehrlichen Utensilien wie Bett, Stuhl, Tisch, Kleiderschrank und Fernsehapparat unschwer auf nur wenigen Quadratmetern unterbringen, sind nicht unerschwinglich und in den meisten Haushalten sowieso vorhanden. Weitergehende Einrichtungsgegenstände, die zur menschlichen Haltung auf die Dauer unerlässlich sind, wie Wasch- und Kochgelegenheiten, werden ohnehin in der Regel selbst in Luxusunterkünften stets von mehreren Exemplaren gemeinsam genutzt, (was immer wieder Anlass für geselliges Sozialverhalten aber auch Reibereien geben kann.)

Der langjährigen Praxis vor allem der sozialen Wohnungsbaugesellschaften zufolge kann der durchschnittliche Platzbedarf für ein Kind mit ca. 8-10 qm angegeben werden. Da dies noch einigermaßen großzügig bemessen zu sein scheint, werden Kinderzimmer mit 10-12 qm meist mit zwei Exemplaren belegt. Dass Menschenkinder in jungen Jahren noch ein erhöhtes Aktivitätspotential zu entfalten vermögen, wird durch die Anlage von außerhalb des engeren Wohnbereiches meist entfernter gelegenen Spielplätzen auszugleichen versucht. Hierdurch wird dem kindlichen Bewegungsdrang gewissermaßen schon allein durch die Bewältigung des Hin- und Rückweges Genüge getan.

Bei genauerer Beobachtung der menschlichen Verhaltensweisen ist es weniger die Größe des zur Verfügung stehenden Raumes als vielmehr das Bedürfnis denselben selbst zu gestalten, was zum notwendigen Wohlbefinden beiträgt. Dies lässt sich unschwer sowohl am Umsatz von Kleister, Tapeten und Farbe in häufig frequentierten Baumärkten als auch an den Graffiti in Bushaltestellen und Bahnstationen erkennen. Die menschliche Mehrheit scheint sich mit den ihr dargebotenen Lebensumständen erfolgreich zu arrangieren, indem sie den Platz für raumgreifendere Aktivitäten in eigens dafür vorgesehene Sport- und Spielstadien verlegt hat, wobei die Masse der dort Anwesenden ihre eigene Befriedigung daraus zu ziehen scheint, dass sie einigen wenigen bei deren Beschäftigung zuschaut. Derlei Veranstaltungen werden auch regelmäßig auf die in den Wohnbereichen fast flächendeckend eingeführten Bildschirme übertragen, so dass für den Großteil der Menschen selbst der Besuch dieser Ereignisse entfallen kann, ohne auf das Gefühl, dabei gewesen zu sein, verzichten zu müssen.

Denjenigen Exemplaren, die - entgegen dem arttypischen Verhalten - auf eigener körperlicher Betätigung bestehen, kann man fest am Boden montierbare Ruder- und Radfahrgeräte zur Verfügung stellen, welche gerne angenommen werden.

Leseprobe: Paarungsversuche und Brutverhalten

Die von den Menschen unter dem Namen der Sexualität gepflegten Paarungsversuche sind aufgrund mehrerer erstaunlicher Umstände nicht immer von Erfolg gekrönt. Hauptursache hierfür dürfte sein, dass sich immer mehr (überwiegend weibliche) Exemplare durch vorsorgliche Abwehrmethoden (oft medikamentöser Art) den fruchtbaren Folgen ihrer sexuellen Handlungen entziehen. Zwar wird dieser Umstand immer wieder von einem in Rom einsam lebenden älteren Männchen kritisiert, da es den Inhalt seiner Reden jedoch nicht durch eigene Paarungsversuche in die Praxis umsetzt, gilt vielen seine Autorität als zweifelhaft, und sie kümmern sich nicht darum.

Wenn man den Aussagen eines schier unerschöpflichen Zeitschriften- und Videomarktes Glauben schenkt, dann übertrifft die menschliche Aktivität auf sexuellem Gebiet die des Hasen bei weitem. Dass dies aber offensichtlich nicht so ist, wird gerade durch die Vielzahl des der menschlichen Unterhaltung dienenden Bild-, Film- und Videomateriales zum Thema belegt. Wäre die zwischenmenschliche sexuelle Aktivität nämlich auch nur halb so groß wie dort suggeriert, dann hätte wohl kein menschliches Exemplar auch noch zusätzlich die Zeit und das Interesse zur Rezeption der diesbezüglichen Druck- und Filmwerke mehr übrig.

Ein Vergleich mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten der nächsten genetischen Verwandten der Menschen, den afrikanischen Bonobos, zeigt, dass dort sexuelle Verhaltensweisen zum Abbau von Stress und Aggression Verwendung finden, was - zumindest bei den Bonobos - auch zu funktionieren scheint. Betrachtet man allerdings die hektische, gereizte und oft aggressive Grundstimmung großer Menschenansammlungen, so drängt sich der Verdacht auf, dass die Menschen den afrikanischen Bonobos genetisch zwar näher stehen, sich aber für die aggressivere Lebensweise der Schimpansen entschieden haben.

Selbstverständlich ist auch der menschliche Sexualtrieb - abgesehen von seiner sozialen Funktion - letztlich in der biologischen Funktion der Arterhaltung (bzw. Vermehrung) begründet. Hat das Weibchen nach erfolgreicher Schwangerschaft meist ein Junges abgesetzt, so setzt immer öfter beiderlei Geschlechts ein kurzfristiger Kampf um die Vorherrschaft beim Brutpflegeverhalten ein. Nachdem dieser (oft unter Zuhilfenahme gerichtlicher Einmischung) entschieden ist, wird das Männchen unter Auferlegung von Zahlungsverpflichtungen aus dem Bau verdrängt, während das Junge für die erste Zeit beim Weibchen verbleibt. Dieser Vorgang kann sich individuell durchschnittlich noch ein- bis zweimal wiederholen, bevor die Weibchen sich wieder anderen gesellschaftlichen Beschäftigungen wie der Arbeit oder der Selbstverwirklichung hingeben und die Männchen endgültig zahlungsunfähig sind. Die Kinder werden nach Abflauen des Brutpflegetriebes zur weiteren Betreuung meist an Kinderkrippen, -gärten und Schulen überstellt.

Leseprobe: Verbände und Vereinigungen

Nahezu alle Menschen gehören schon durch ihre bloße Existenz zu bestimmten Vereinigungen, Staaten genannt, was aber wenig zu sagen hat, da diese aus reinem Selbstzweck vorhandenen Organisationen eigentlich nur der Beschäftigungsmöglichkeit für politische Exemplare dienen und sich nur in den allerwenigsten Fällen dem persönlichen Wohl ihrer Angehörigen verpflichtet fühlen.

Als überaus wichtig für die menschliche Lebenspraxis hat sich hingegen die Zugehörigkeit zu einer Krankenkasse erwiesen. Da solche Einrichtungen monatliche Unterhaltszahlungen verlangen, ist es unerlässlich, seine menschlichen Schützlinge schon rechtzeitig zum eigenen Gelderwerb anzuleiten. Die zu diesem Zweck gebildeten Vereinigungen werden Firmen genannt und nehmen meist auch schon halbwüchsige menschliche Exemplare in Zahlung.

zu bestellen im Buchhandel:
ISBN 3-930304-48-1

oder bei: Rainar NITZSCHE Verlag
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Rainar.NitzscheVerlag@t-online.de

Preis: DM 12,-

 

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