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Leseprobe für Große
Der Mensch
(homo sapiens)
Artgerechte Haltung, Aufzucht und Pflege
Ein Sachbuch für Interessierte
von Stephan Kalk
Alzey 1999
Leseprobe: Vorwort
Wer sich in seinem Bekanntenkreise umsieht, dem fällt auf, dass sich immer mehr Zeitgenossen der
Pflege eines - oft exotischen - Tieres widmen. Oft werden auch mehrere Exemplare ein und derselben
Art (oder auch verschiedener Arten) gesellig beieinander gehalten. Wem Raum- und zeitliche
Möglichkeiten dafür zur Verfügung stehen, der lässt seine Lieblinge mitunter sogar zur Zucht
schreiten. Hunde, Katzen, Fische und Vögel gelten mittlerweile nicht nur als Indikator für die
Naturliebe ihrer Halter, sondern werden oft als völlig normale Mitbewohner angesehen. Der
berechtigten Sorge um ihre richtige Behandlungsweise wiederum verleihen unzählige Buchauflagen
Ausdruck.
Ohne die Freude an der Tierhaltung auch nur im geringsten schmälern zu wollen, ist allerdings zu
bemerken, dass - gerade in den letzten Jahren - die Menschenhaltung in der Bevölkerung stetig
abzunehmen scheint. Immer öfter leisten sich die in statistischer Anzahl immer häufiger
vorkommenden Single-Haushalte eher die Haltung eines Haustieres als die eines Menschen - oder gar
Mitmenschen.
Selbstverständlich sind die Hominiden bei der Haltung im eigenen häuslichen Bereich etwas
unbequemer und auch aufwendiger als z.B. Hamster oder Meerschwein, weshalb man sie immer öfter in
dem Laien dafür geeignet erscheinenden Gemeinschaftsheimstätten unterbringt. Derlei Einrichtungen
gibt es für jedes Entwicklungsstadium und Lebensalter der Hominiden, sie reichen vom Kindergarten,
der Kinderkrippe und Kindertagesstätte über die (noch nicht überall flächendeckend eingeführte
aber stark im Aufwind befindliche) Ganztagsschule bis hin zu Heimen für unter besonderen
Gesichtspunkten zusammengefasste Exemplare wie z.B. Kinder- Jugend- und Schwererziehbarenheime aber
auch Kranken- und Frauenhäuser sowie Altersheime, Verwahranstalten für Behinderte und
Gefängnisse.
Dass die Gemeinschaftshaltung der Hominiden (wie sie z.B. in den früheren
Eltern-und-Kinder-Familien oder gar Mehrgenerationen-Haushalten anzutreffen war) einen so überaus
starken Schwund erleidet, liegt aber möglicherweise nicht nur an dem größeren Aufwand, den ihre
Haltung im eigenen Zuhause verursacht, sondern auch an einem mangelndem Wissens- und Kenntnisstand
über die an die Erfordernisse einer modernen Welt angepassten Bedürfnisse dieser possierlichen
Gesellen.
Bei der Durchsicht des vorhandenen Literaturmateriales zum Thema ergab sich allerdings die
überraschende Tatsache, dass es bisher an einem übersichtlichen Leitfaden zur Menschenhaltung
fehlte. Dies ist um so erstaunlicher, als die häusliche Haltung und Pflege von Menschen mit
Sicherheit zu den ältesten Formen menschlicher Geselligkeit überhaupt gezählt werden kann. Wohl
finden sich die verschiedensten Hinweise zum Thema weitverstreut über ein kaum noch überschaubares
Buch- und Zeitschriftenangebot. Wer sich allerdings mit den Grundlagen der Menschenhaltung vertraut
machen wollte, suchte bisher vergeblich nach einer handlichen und doch fundierten Einleitung und
Übersicht. Diese Lücke soll das vorliegende Büchlein füllen.
Selbstverständlich ist sich der Verfasser der eigenen Unzulänglichkeiten bei der Behandlung
dieser anspruchsvollen Thematik wohl bewusst. Dennoch sollte hier zum ersten Male der Versuch
unternommen werden, die artgerechten Haltungs- und Erziehungsbedingungen eines so freundlichen und
umgänglichen Lebensabschnittbegleiters - wie es auch der homo sapiens bei richtiger Behandlung und
Pflege zu sein vermag - zu umschreiben. Sollte dieses bescheidene Bändchen dazu beitragen können,
dass sich der (oder die) eine oder andere Zeitgenosse/in fortan der liebevollen Pflege eines oder
mehrerer Menschen im eigenen Haushalt zuwenden und widmen mag, dann hat es seinen Zweck erfüllt.

Leseprobe: Einleitung
Menschen gehören - abgesehen von Ratten, Spinnen und Insekten - heute zu den am meisten
verbreiteten Tieren überhaupt. Nicht nur ihre erstaunliche Robustheit, sondern vor allem ihr
geradezu überraschender Erfindungsreichtum hat sie nahezu alle zugänglichen und unzugänglichen
Teile und Winkel des Planeten Erde in Besitz nehmen lassen. Gelegentlich glückten (wie auch einigen
Viren) vereinzelten Exemplaren sogar Ausflüge in den benachbarten Weltraum, wobei sie allerdings
(anders als die Viren) auf die Mitnahme großer Mengen irdischen Materials angewiesen waren.
Ähnlich wie Blattschneiderameisen und Biber leben Menschen nicht gerne in fertig vorgefundenen
Biotopen, sondern geben verstärkt ihrer Neigung Ausdruck, sich ihren Lebensraum selbst zu
gestalten, wobei sie oft das Bedürfnis nach heimeliger Gemütlichkeit (manchmal aber auch einen
leichten Hang zum Kitsch) erkennen lassen. (Auf dem Mond z.B. haben sie ein Fähnchen aufgestellt.)
Einzelne Exemplare sind in der Regel durchaus umgänglich bis freundlich und lassen sich auch
nach längerer Einzelhaltung normalerweise noch recht einfach aneinander gewöhnen und oft sogar
verpaaren. In Gruppen gehaltene Menschen hingegen neigen zu starker Revierbildung und zum
Futterneid. Bei der Vergesellschaftung verschiedener Menschengruppen (beispielsweise der Anhänger
zweier verschiedener Fußballvereine) ist daher erhöhte Vorsicht geboten. Keinesfalls darf man
solche Gruppen einfach zusammensetzen und dann unbeaufsichtigt sich selbst überlassen.
Im Verlauf der mehrtausendjährigen Menschheitsgeschichte kam es bedauerlicherweise aufgrund
konstanter Verletzung der Aufsichtspflicht durch höhergeordnete Lebewesen (Religionswissenschaftler
sprechen hier von der Abwesenheit Gottes) bis in die jüngste Vergangenheit hinein immer wieder zu
tragischen Unfällen von erschreckenden Ausmaßen mit starken Verlusten durch Selbstdezimierung. Da
Homo sapiens (wie der ihm von sich selbst verliehene Name schon andeutet) bedauerlicherweise nur
noch über rudimentäre Instinkte, dafür aber über eine unangemessen große Selbsteinschätzung
der eigenen cerebralen Fähigkeiten verfügt, steht ihm leider keine angeborene Tötungshemmung
gegenüber seinen eigenen Artgenossen mehr zur Verfügung. Hier (wie auch bei der Gestaltung des von
ihm beanspruchten Lebensraumes) sind seine Halter und Mitlebewesen darum immer wieder stark
gefordert, wenn es darum geht, Revier-, Rassen- und Glaubens- sowie andere Streitigkeiten schon im
Keime zu ersticken, um zu vermeiden, dass diese interessante aber nicht unproblematische Art sich
nicht irgendwann selbst auslöscht.
Was nun die verantwortungsvolle Menschenhaltung im eigenen Heim anbelangt, so sei allerdings
schon jetzt darauf hingewiesen, dass es sich hier keineswegs um eine belanglose Liebhaberei handelt,
die man als Hobby sozusagen nach Feierabend und nebenbei betreiben kann. Wer sich also tatsächlich
mit dem Gedanken trägt, sein Leben durch die Gesellschaft von Menschen zu bereichern, der mache
sich also auf mancherlei Mühseligkeiten und Anstrengungen gefasst. Zum Trost sei allerdings darauf
verwiesen, dass es - vielleicht abgesehen von den afrikanischen Schimpansen und Bonobos (die
immerhin über 98% ihrer Gene mit Homo sapiens gemeinsam haben - letztere sogar über 99%!) - keine
anderen sich selbst als so intelligent einstufenden, abwechslungsreichen und interessanten Lebewesen
gibt, wie - die Menschen.

Leseprobe: Die richtige Ausstattung des Lebensraumes
Durch die stetig fortschreitende Zerstörung auch der letzten Naturreservate der Welt sind selbst
die letzten wildlebenden Exemplare mittlerweile immer mehr durch die sogenannten Segnungen der
modernen Kultur aus ihrem ursprünglich einfachen und genügsamen Dasein gerissen worden. Die heute
am weitesten verbreitete Form des domestizierten Menschen hingegen hat sich mehrheitlich schon so
sehr von ihren ursprünglichen natürlichen Grundlagen entfremdet, dass sich die meisten Exemplare
wohl nur sehr schwer und dann wahrscheinlich auch nur für einen sehr begrenzten Zeitraum in einer
naturnahen und rauen Umgebung erhalten könnten. Dies zeigt sich bedauerlicherweise auch am Beispiel
der unzähligen aus heimischen Lagerstätten ausgestoßenen oder geflüchteten und schließlich halb
ausgewilderten Exemplaren, welche oft in unmittelbarer Umgebung geschlossener Menschenansammlungen
großer Städte anzutreffen sind. Jahr für Jahr sterben unzählige dieser meist einzelgängerisch
oder in kleinen Gruppen lebenden Menschen den Hunger- oder Kältetod.
Dabei lassen sich die für das menschenwürdige Dasein eines Exemplars unentbehrlichen Utensilien
wie Bett, Stuhl, Tisch, Kleiderschrank und Fernsehapparat unschwer auf nur wenigen Quadratmetern
unterbringen, sind nicht unerschwinglich und in den meisten Haushalten sowieso vorhanden.
Weitergehende Einrichtungsgegenstände, die zur menschlichen Haltung auf die Dauer unerlässlich
sind, wie Wasch- und Kochgelegenheiten, werden ohnehin in der Regel selbst in Luxusunterkünften
stets von mehreren Exemplaren gemeinsam genutzt, (was immer wieder Anlass für geselliges
Sozialverhalten aber auch Reibereien geben kann.)
Der langjährigen Praxis vor allem der sozialen Wohnungsbaugesellschaften zufolge kann der
durchschnittliche Platzbedarf für ein Kind mit ca. 8-10 qm angegeben werden. Da dies noch
einigermaßen großzügig bemessen zu sein scheint, werden Kinderzimmer mit 10-12 qm meist mit zwei
Exemplaren belegt. Dass Menschenkinder in jungen Jahren noch ein erhöhtes Aktivitätspotential zu
entfalten vermögen, wird durch die Anlage von außerhalb des engeren Wohnbereiches meist entfernter
gelegenen Spielplätzen auszugleichen versucht. Hierdurch wird dem kindlichen Bewegungsdrang
gewissermaßen schon allein durch die Bewältigung des Hin- und Rückweges Genüge getan.
Bei genauerer Beobachtung der menschlichen Verhaltensweisen ist es weniger die Größe des zur
Verfügung stehenden Raumes als vielmehr das Bedürfnis denselben selbst zu gestalten, was zum
notwendigen Wohlbefinden beiträgt. Dies lässt sich unschwer sowohl am Umsatz von Kleister, Tapeten
und Farbe in häufig frequentierten Baumärkten als auch an den Graffiti in Bushaltestellen und
Bahnstationen erkennen. Die menschliche Mehrheit scheint sich mit den ihr dargebotenen
Lebensumständen erfolgreich zu arrangieren, indem sie den Platz für raumgreifendere Aktivitäten
in eigens dafür vorgesehene Sport- und Spielstadien verlegt hat, wobei die Masse der dort
Anwesenden ihre eigene Befriedigung daraus zu ziehen scheint, dass sie einigen wenigen bei deren
Beschäftigung zuschaut. Derlei Veranstaltungen werden auch regelmäßig auf die in den
Wohnbereichen fast flächendeckend eingeführten Bildschirme übertragen, so dass für den Großteil
der Menschen selbst der Besuch dieser Ereignisse entfallen kann, ohne auf das Gefühl, dabei gewesen
zu sein, verzichten zu müssen.
Denjenigen Exemplaren, die - entgegen dem arttypischen Verhalten - auf eigener körperlicher
Betätigung bestehen, kann man fest am Boden montierbare Ruder- und Radfahrgeräte zur Verfügung
stellen, welche gerne angenommen werden.

Leseprobe: Paarungsversuche und Brutverhalten
Die von den Menschen unter dem Namen der Sexualität gepflegten Paarungsversuche sind aufgrund
mehrerer erstaunlicher Umstände nicht immer von Erfolg gekrönt. Hauptursache hierfür dürfte
sein, dass sich immer mehr (überwiegend weibliche) Exemplare durch vorsorgliche Abwehrmethoden (oft
medikamentöser Art) den fruchtbaren Folgen ihrer sexuellen Handlungen entziehen. Zwar wird dieser
Umstand immer wieder von einem in Rom einsam lebenden älteren Männchen kritisiert, da es den
Inhalt seiner Reden jedoch nicht durch eigene Paarungsversuche in die Praxis umsetzt, gilt vielen
seine Autorität als zweifelhaft, und sie kümmern sich nicht darum.
Wenn man den Aussagen eines schier unerschöpflichen Zeitschriften- und Videomarktes Glauben
schenkt, dann übertrifft die menschliche Aktivität auf sexuellem Gebiet die des Hasen bei weitem.
Dass dies aber offensichtlich nicht so ist, wird gerade durch die Vielzahl des der menschlichen
Unterhaltung dienenden Bild-, Film- und Videomateriales zum Thema belegt. Wäre die
zwischenmenschliche sexuelle Aktivität nämlich auch nur halb so groß wie dort suggeriert, dann
hätte wohl kein menschliches Exemplar auch noch zusätzlich die Zeit und das Interesse zur
Rezeption der diesbezüglichen Druck- und Filmwerke mehr übrig.
Ein Vergleich mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten der nächsten genetischen Verwandten der
Menschen, den afrikanischen Bonobos, zeigt, dass dort sexuelle Verhaltensweisen zum Abbau von Stress
und Aggression Verwendung finden, was - zumindest bei den Bonobos - auch zu funktionieren scheint.
Betrachtet man allerdings die hektische, gereizte und oft aggressive Grundstimmung großer
Menschenansammlungen, so drängt sich der Verdacht auf, dass die Menschen den afrikanischen Bonobos
genetisch zwar näher stehen, sich aber für die aggressivere Lebensweise der Schimpansen
entschieden haben.
Selbstverständlich ist auch der menschliche Sexualtrieb - abgesehen von seiner sozialen Funktion
- letztlich in der biologischen Funktion der Arterhaltung (bzw. Vermehrung) begründet. Hat das
Weibchen nach erfolgreicher Schwangerschaft meist ein Junges abgesetzt, so setzt immer öfter
beiderlei Geschlechts ein kurzfristiger Kampf um die Vorherrschaft beim Brutpflegeverhalten ein.
Nachdem dieser (oft unter Zuhilfenahme gerichtlicher Einmischung) entschieden ist, wird das
Männchen unter Auferlegung von Zahlungsverpflichtungen aus dem Bau verdrängt, während das Junge
für die erste Zeit beim Weibchen verbleibt. Dieser Vorgang kann sich individuell durchschnittlich
noch ein- bis zweimal wiederholen, bevor die Weibchen sich wieder anderen gesellschaftlichen
Beschäftigungen wie der Arbeit oder der Selbstverwirklichung hingeben und die Männchen endgültig
zahlungsunfähig sind. Die Kinder werden nach Abflauen des Brutpflegetriebes zur weiteren Betreuung
meist an Kinderkrippen, -gärten und Schulen überstellt.

Leseprobe: Verbände und Vereinigungen
Nahezu alle Menschen gehören schon durch ihre bloße Existenz zu bestimmten Vereinigungen,
Staaten genannt, was aber wenig zu sagen hat, da diese aus reinem Selbstzweck vorhandenen
Organisationen eigentlich nur der Beschäftigungsmöglichkeit für politische Exemplare dienen und
sich nur in den allerwenigsten Fällen dem persönlichen Wohl ihrer Angehörigen verpflichtet
fühlen.
Als überaus wichtig für die menschliche Lebenspraxis hat sich hingegen die Zugehörigkeit zu
einer Krankenkasse erwiesen. Da solche Einrichtungen monatliche Unterhaltszahlungen verlangen, ist
es unerlässlich, seine menschlichen Schützlinge schon rechtzeitig zum eigenen Gelderwerb
anzuleiten. Die zu diesem Zweck gebildeten Vereinigungen werden Firmen genannt und nehmen meist auch
schon halbwüchsige menschliche Exemplare in Zahlung.

zu bestellen im Buchhandel:
ISBN 3-930304-48-1
oder bei: Rainar NITZSCHE Verlag
Gasstr. 34, 67655 Kaiserslautern
Telefon + Fax: 0631 61305
Rainar.NitzscheVerlag@t-online.de
Preis: DM 12,-

Alles gesehen - nix kapiert - alles von vorn gucke!

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